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„Ich war ein politisches Nackabatzerl“

Die erste Koalition zwischen ÖVP und FPÖ in den 2000er-Jahren sorgte dafür, dass sich Dr.in Mireille Ngosso politisch engagieren wollte. Von da an sollte es noch zehn Jahre dauern, bis es wirklich so weit war und Ngosso Österreichs erste Politikerin mit afrikanischer Herkunft in einem gewählten Amt wurde.

Mireille Ngosso über…

…Mut:

Für mich zeigt sich Mut sehr oft in alltäglichen Situationen. Wenn Menschen den Mund aufmachen, wenn ihnen oder anderen eine Ungerechtigkeit widerfährt. Das ist nicht immer leicht, schon gar nicht, wenn es im privaten Umfeld passiert. Also wenn Menschen, die einem nahe stehen, ungerecht handeln. Dann muss man schon ziemlich mutig sein, um etwas dagegen zu sagen und auch mit den Konsequenzen leben.

…mutige Menschen in ihrem Umfeld:

Ich habe eine sehr gute Freundin, die sich solchen Situationen immer und immer wieder aussetzt. Das finde ich sehr bewundernswert. Sie ist eine extrem offene Persönlichkeit und ist auch viel aktivistisch tätig. Ihre Familie ist allerdings recht konservativ. Da kommt es natürlich häufig zu Situationen, in denen sie eine große – und manchmal auch nur ganz kleine – Ungerechtigkeit spürt.

… ihren Einstieg in die Politik:

Anfang der 2000er war die Zeit der ersten schwarz-blauen Koalition und da habe ich sehr schnell gemerkt, es verändert sich etwas in der Gesellschaft. Das Klima wurde deutlich fremdenfeindlicher. Ich wurde auf der Straße angerempelt und beschimpft. Das konnte ich nicht akzeptieren und wollte mich deshalb politisch engagieren. Für mich war von Anfang an klar, dass ich Mitglied einer Partei werden möchte, um dort etwas beizutragen.

… politische Vorbilder:

Ich hatte anfangs keine tiefen Verbindungen in die SPÖ hinein, wie es andere Menschen in meinem Alter hatten, deren Eltern und Großeltern schon seit Jahrzehnten Mitglieder waren. So gesehen war ich ein politisches Nackabatzerl. Aber ich hatte andere politische Vorbilder. Ich weiß noch ganz genau, dass meine Mutter und ich bis spät in die Nacht munter blieben, um uns den Einzug von Barack und Michelle Obama ins Weiße Haus anzuschauen. Das gab mir Hoffnung, dass es auch in Österreich eine*n Schwarze*n Bundeskanzler*in geben könnte. Oder zumindest eine*n Schwarze*n Bürger*innenmeister*in. Heute habe ich viele Menschen in der Partei, zu denen ich aufschaue und die mir als Vorbild dienen.

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